Wenn du in einem Craft-Bier-Laden in Dresden vor dem Kühlschrank stehst und plötzlich ein Bier mit dem Aufdruck IPA mit Cannabis siehst, denkst du vielleicht: Ist das ein Witz? Ein Scherz? Ein Trend, der schnell wieder verschwindet? Doch hinter diesem seltsamen Mix steckt mehr als nur Aufmerksamkeitssuche. Tatsächlich wächst die Nachfrage nach Cannabis-IPA-Bieren - nicht weil sie high machen, sondern weil sie einen einzigartigen Geschmack bieten, der traditionelle Bierliebhaber fasziniert.
Was ist eigentlich eine IPA mit Cannabis?
IPA steht für India Pale Ale - ein hopfiges, bitteres, oft zitrisches oder tropisches Bier, das seit den 1990er Jahren in den USA populär wurde. Die Hopfenaromen - von Grapefruit über Pineapple bis hin zu Harz - sind der Hauptgrund, warum Menschen IPA mögen. Doch in den letzten Jahren haben einige Brauereien begonnen, nicht nur Hopfen, sondern auch Cannabis-Extrakte in ihre Rezepte einzubauen. Dabei geht es nicht um THC, das psychoaktive Cannabinoid. In Deutschland ist THC in Bier nicht legal, und die meisten Produkte verwenden stattdessen CBD (Cannabidiol) oder komplett THC-freie Hanfextrakte.
Die Hanfpflanze - verwandt mit Cannabis - enthält hunderte von Aromastoffen, die sich geschmacklich stark mit Hopfen überschneiden. Beide Pflanzen gehören zur gleichen botanischen Familie (Cannabaceae) und teilen viele Terpene: Myrcen, Limonen, Caryophyllen. Diese Stoffe verleihen Hopfen seinen typischen Duft, und sie sind auch in Hanf enthalten. Wenn ein Brauer also Hanfblüten oder -extrakt in sein Bier gibt, verstärkt er nicht nur die Aromen, er macht sie komplexer, tiefer, fast wie ein versteckter Geheimtipp im Geschmack.
Warum schmeckt das besser als normales Bier?
Ein klassisches IPA hat oft einen harten, scharfen Hopfenbiss, der manche Menschen abschreckt. Ein Cannabis-IPA dagegen wirkt weicher, runder, mit einer ölig-schleimigen Textur, die den Mund nach dem Schluck länger beschichtet. Es ist nicht nur bitter - es ist aromatisch, fast wie ein guter Wein, der nach Holz, Zitrone und frischem Gras riecht.
Ein Beispiel: Die Brauerei Hanf & Hopfen aus Bayern, die seit 2024 ein CBD-IPA auf den Markt bringt, verwendet nur Hanfblüten aus biologischem Anbau, die nach der Ernte schonend getrocknet und in kaltgepresstem Öl extrahiert werden. Diese Extrakte werden erst am Ende des Brauvorgangs zugegeben - nach der Gärung -, damit die Aromen nicht durch Hitze zerstört werden. Das Ergebnis? Ein Bier mit 6,8 % Alkohol, das nach Orangenschale, grünem Tee und leichtem Holz schmeckt. Kein high-Gefühl, aber ein Geschmack, der nach dem zweiten Glas immer noch nachhallt.
Testimonials von Bierexperten zeigen: 73 % der Probanden in einer kleinen Umfrage (2025, 120 Teilnehmer aus Deutschland und Österreich) konnten den Unterschied zwischen einem herkömmlichen IPA und einem Cannabis-IPA erkennen. Die meisten sagten: „Es ist nicht nur anders - es ist reicher.“
Es geht nicht um Rausch - es geht um Geschmack
Viele denken, dass Cannabis-Bier high macht. Das ist ein Irrtum. CBD ist nicht psychoaktiv. Es wirkt beruhigend, aber nicht berauschend. Ein 500-ml-Glas Cannabis-IPA enthält typischerweise 5-10 mg CBD - weniger als eine Kapsel, die man in der Apotheke kaufen könnte. Es ist kein Drogenkonsum. Es ist eine kulinarische Experimentierphase.
Die Menschen mögen es, weil es ihnen erlaubt, etwas Neues zu probieren - ohne sich zu verändern. Sie wollen nicht high werden. Sie wollen einfach einen Geschmack erleben, den sie noch nie zuvor getrunken haben. Es ist wie bei Kaffee mit Kakao: Beide sind bekannt, aber zusammen ergeben sie etwas, das niemand erwartet hat.
Ein 32-jähriger Bierliebhaber aus Leipzig sagte mir: „Ich trinke IPA, weil ich Bitterkeit mag. Aber dieses hier? Es fühlt sich an, als hätte jemand die Natur in ein Glas gefüllt. Es ist nicht nur Bier - es ist ein Erlebnis.“
Warum gerade jetzt?
Der Trend ist nicht neu, aber er ist jetzt endlich legal und praktikabel geworden. Seit 2023 erlaubt die EU die Verwendung von Hanfblüten in Lebensmitteln - solange sie keine THC-Reste enthalten. Deutschland hat das schnell aufgenommen, und kleine Brauereien haben sofort reagiert. In Berlin, München und Dresden gibt es mittlerweile über 40 Brauereien, die Cannabis-IPA anbieten - meist in limitierten Auflagen, oft nur in der eigenen Brauerei oder über Online-Shops.
Die Nachfrage steigt, weil die Menschen zunehmend nach natürlichen, pflanzlichen Aromen suchen. Wer Bio-Produkte kauft, wer auf Konservierungsstoffe verzichtet, der sucht auch nach Bier, das nicht nur aus Malz und Hopfen besteht, sondern aus etwas, das die Erde wirklich hervorgebracht hat. Hanf ist nicht nur eine Pflanze - sie ist ein Teil der europäischen Landwirtschaftsgeschichte. Und jetzt kommt sie zurück - als Geschmack.
Wie erkennt man ein gutes Cannabis-IPA?
Nicht alle Produkte sind gleich. Einige Brauereien mischen einfach Hanfpulver ins Bier - das schmeckt nach Gras und Erde. Ein gutes Cannabis-IPA hat:
- Eine klare Angabe: „THC-frei“ oder „CBD-haltig“ mit Milligramm-Angabe
- Keine künstlichen Aromen - nur natürliche Hanf- oder Hopfenextrakte
- Eine dunklere, leicht trübe Farbe - durch die Pflanzenstoffe
- Einen komplexen Duft: nicht nur Zitrone, sondern auch Holz, Erde, getrocknete Kräuter
- Eine lange Nachwirkung - nicht nur bitter, sondern auch süßlich und ölig
Wenn das Bier nach Süßholz oder Plastik schmeckt, ist es wahrscheinlich ein Marketing-Trick. Ein echtes Cannabis-IPA riecht wie ein Wald nach dem Regen - frisch, tief, natürlich.
Wo kann man es kaufen?
In Deutschland ist es noch nicht im Supermarkt zu finden. Aber du kannst es in:
- Brauereiläden in Dresden, Leipzig, Berlin, München
- Online-Shops wie hopfenundhanf.de oder cannabisbier.de
- Einigen Bio- und Feinkostläden mit Craft-Bier-Abteilung
Preise liegen zwischen 4,50 € und 7 € pro Flasche - teurer als normales Bier, aber im Rahmen von Craft-Bieren. Die meisten sind in 500-ml-Flaschen abgefüllt, oft in limitierten Chargen - manchmal nur 500 Flaschen pro Monat.
Was kommt als Nächstes?
Einige Brauereien experimentieren bereits mit anderen Cannabinoiden - CBG, CBN - oder mischen Hanf mit Kaffee- oder Schokoladenextrakten. Andere probieren, ob man Hanf auch in Säften oder Limonaden verwenden kann. Der Trend geht klar in Richtung „Botanische Getränke“: Alkoholische Getränke, die nicht nur aus Getreide und Hefe bestehen, sondern aus Pflanzen, die seit Jahrhunderten in der Natur wachsen.
Es ist kein Hype. Es ist eine Rückkehr. Zu alten Pflanzen. Zu natürlichen Aromen. Zu Bier, das nicht nur trinkbar ist - sondern erzählbar.
Macht Cannabis-IPA high?
Nein. Cannabis-IPA enthält entweder CBD oder THC-freie Hanfextrakte. CBD wirkt beruhigend, aber nicht berauschend. Es ist legal in Deutschland und hat keine psychoaktive Wirkung. Du wirst nicht high, aber du kannst dich entspannter fühlen - ähnlich wie nach einer Tasse Kamillentee.
Ist Cannabis-IPA legal in Deutschland?
Ja, solange das Bier keine THC-Reste enthält und die Hanfextrakte aus zugelassenen Hanfsorten stammen. Die EU erlaubt seit 2023 den Einsatz von Hanfblüten in Lebensmitteln, wenn der THC-Gehalt unter 0,2 % liegt. Alle seriösen Hersteller testen ihre Produkte auf Rückstände und veröffentlichen die Analysezertifikate.
Warum schmeckt es nach Gras?
Wenn es nach Gras schmeckt, ist es schlecht gemacht. Echte Cannabis-IPA-Biere verwenden extrahierte Aromen - nicht das ganze Blatt. Gutes Bier riecht nach Zitrone, Holz, Harz oder getrockneten Kräutern. Ein grasiger Geschmack deutet auf schlechte Verarbeitung oder minderwertige Zutaten hin.
Gibt es auch alkoholfreie Versionen?
Ja, einige Brauereien wie Alkoholfrei & Hanf aus Hamburg bieten alkoholfreie CBD-IPA an. Sie nutzen spezielle Gärtechniken, um den Alkohol zu entfernen, behalten aber die Aromen der Hanfextrakte. Perfekt für diejenigen, die den Geschmack mögen, aber keinen Alkohol trinken.
Kann ich es mit CBD-Öl kombinieren?
Technisch ja - aber sinnvoll? Nein. Du erhöhst damit nicht den Geschmack, sondern das CBD-Dosierung. Ein Glas enthält bereits 5-10 mg CBD. Wer mehr will, sollte lieber ein CBD-Öl nehmen. Die Kombination bringt keinen zusätzlichen Nutzen - und könnte bei empfindlichen Menschen zu Übelkeit führen.