Warum empfehlen Ärzte CBD nicht?

Warum empfehlen Ärzte CBD nicht?

Wenn du CBD in der Apotheke oder im Online-Shop siehst, fragst du dich vielleicht: Warum sagt mir mein Arzt nichts davon? Du hast Freunde, die es gegen Schlafstörungen oder Schmerzen nehmen. Du hast Artikel gelesen, die von Wunderwirkungen sprechen. Aber dein Arzt? Der schweigt. Oder sagt: "Da gibt’s keine ausreichenden Studien." Das ist nicht nur frustrierend - es ist auch verwirrend. Warum genau zögern Ärzte, CBD als Therapie zu empfehlen? Es liegt nicht an Ignoranz. Es liegt an Regeln, Risiken und einer Medizin, die noch immer auf klare Beweise wartet.

Die medizinische Lizenz ist kein Marketing-Label

Ein Arzt darf nur Dinge empfehlen, die zugelassen sind. Und das bedeutet: Sie müssen durch klinische Studien bewiesen sein, sicher sein und ihre Wirkung klar dokumentiert haben. CBD-Öle, die du im Supermarkt kaufst, sind CBD als Nahrungsergänzung - nicht als Medikament. Das ist ein entscheidender Unterschied. Ein zugelassenes Medikament wie Epidiolex, das rezeptpflichtig ist und bei seltenen Formen von Epilepsie eingesetzt wird, enthält genau dosiertes CBD. Es wurde an Tausenden von Patienten getestet. Es hat eine Genehmigung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA). Alles andere? Kein Medikament. Keine Garantie. Keine verbindliche Dosierung.

Ein Arzt, der dir ein CBD-Öl empfiehlt, das nicht zugelassen ist, handelt rechtlich riskant. Wenn etwas schiefgeht - etwa weil das Produkt Verunreinigungen enthält oder mit anderen Medikamenten wechselwirkt - kann er haftbar gemacht werden. Deshalb bleibt er lieber bei bewährten Therapien. Das ist keine Abneigung gegen CBD. Das ist Berufsethik.

Die Studienlage ist unvollständig - und oft schlecht

Es gibt Hunderte von Studien über CBD. Aber die meisten sind klein, schlecht kontrolliert oder an Tieren durchgeführt. Einige zeigen, dass CBD bei Angst, Schlaf oder chronischen Schmerzen helfen könnte. Andere zeigen gar keine Wirkung. Und was ist mit Langzeitfolgen? Was passiert, wenn du CBD über Jahre nimmst? Werden Leberwerte beeinflusst? Gibt es Abhängigkeitsrisiken? Die Antwort: Wir wissen es nicht genau.

Einige Studien, die oft zitiert werden, stammen aus der Cannabis-Forschung - da ging es um THC, nicht CBD. Andere wurden von Unternehmen finanziert, die CBD verkaufen. Das schafft Interessenkonflikte. Ein Arzt, der auf evidenzbasierte Medizin setzt, kann nicht auf solche Daten vertrauen. Er braucht große, unabhängige, randomisierte Studien - und die gibt es für die meisten Anwendungen von CBD noch nicht.

Die Qualität von CBD-Produkten ist ein Graubereich

Stell dir vor, du gehst zum Arzt und sagst: "Ich nehme ein Mittel, das ich online gekauft habe. Es steht drauf: 10 % CBD." Der Arzt fragt: "Ist das wirklich 10 %? Und was ist sonst noch drin?" Du kannst es nicht beantworten. Denn in Deutschland und der EU gibt es keine einheitlichen Qualitätsstandards für CBD-Produkte als Nahrungsergänzung. Ein Produkt kann 1 % CBD enthalten - oder 15 %. Es kann Pestizide, Schwermetalle oder sogar THC enthalten, obwohl es als "THC-frei" beworben wird.

Ein Labor in Berlin hat 2024 45 CBD-Öle getestet. In 17 von ihnen war der CBD-Gehalt um mehr als 30 % von der Angabe auf der Flasche abgewichen. In drei Produkten war THC nachweisbar - obwohl sie als "THC-frei" verkauft wurden. Ein Arzt kann nicht empfehlen, was er nicht kontrollieren kann. Das ist kein Verbot von CBD. Das ist ein Verbot von Unklarheit.

Drei CBD-Öl-Flaschen auf einem Labortisch mit Laborbericht und ungenauen Angaben zum CBD-Gehalt.

Interaktionen mit Medikamenten sind ein großes Risiko

CBD wirkt auf das gleiche Enzymsystem in der Leber wie viele gängige Medikamente - etwa Blutverdünner, Antiepileptika, Cholesterinsenker oder Antidepressiva. Es kann die Wirkung verstärken oder abschwächen. Ein Patient mit Herzproblemen, der Warfarin nimmt, könnte durch CBD in eine gefährliche Blutungsneigung geraten. Ein Epileptiker, der Clobazam nimmt, könnte überdosiert werden, weil CBD die Abbaurate verlangsamt.

Ein Arzt kennt deine Medikamente. Er weiß, wie sie zusammenwirken. Wenn du CBD dazu nimmst, ohne dass er es weiß, bringst du dich in Gefahr. Und wenn du es ihm nicht sagst, kann er dir nicht helfen. Deshalb ist es nicht so, dass Ärzte CBD ablehnen. Sie wollen nur, dass du nicht aufgrund von Unwissenheit Schaden nimmst.

Die Gesetze sind unklar - und das macht Ärzte vorsichtig

In Deutschland ist CBD legal - solange es weniger als 0,2 % THC enthält und nicht als Lebensmittel vermarktet wird. Aber die Grenzen sind verschwommen. Ein CBD-Öl, das als "Beruhigungsmittel" beworben wird, könnte als Medikament eingestuft werden - und wäre dann illegal, weil es nicht zugelassen ist. Ein Arzt, der es empfiehlt, könnte sich strafbar machen. Und das, obwohl er nur helfen will.

Die Europäische Kommission hat 2023 eine neue Regelung für CBD als Lebensmittel verabschiedet - sie ist aber noch nicht in allen Ländern umgesetzt. In Frankreich ist CBD als Nahrungsergänzung verboten. In den Niederlanden ist es erlaubt, aber streng kontrolliert. In Deutschland ist es ein juristischer Graubereich. Ein Arzt will nicht im Rechtsdschungel landen. Er will nicht, dass du wegen eines CBD-Öls vor Gericht landest - oder dass er dafür verantwortlich gemacht wird.

Ein Patient und ein Arzt besprechen CBD in einer beruhigenden Sprechstunde, mit Laborbericht und Hanfpflanze im Hintergrund.

Was kannst du tun, wenn du CBD ausprobieren willst?

Du musst nicht auf CBD verzichten. Aber du musst es anders angehen.

  1. Sprich offen mit deinem Arzt. Sag ihm, dass du CBD ausprobieren willst. Zeig ihm die Flasche. Frag ihn: "Kann das mit meinen Medikamenten interagieren?" Er wird dir nicht unbedingt empfehlen, es zu nehmen - aber er kann dir sagen, ob es gefährlich ist.
  2. Wähle Produkte mit Zertifikat. Suche nach Produkten mit einem unabhängigen Laborbericht (Certificate of Analysis). Der sollte den CBD-Gehalt, den THC-Gehalt und Schadstoffe nennen. Wenn der Hersteller den nicht bereitstellt, lass es.
  3. Beginne mit niedrigen Dosen. 5-10 mg CBD pro Tag. Beobachte, wie du dich fühlst. Keine hohen Dosen, keine schnellen Versprechen.
  4. Vermeide Produkte mit unnötigen Zusätzen. Kein Zucker, keine künstlichen Aromen, keine künstlichen Farbstoffe. Einfach: CBD-Öl, Trägeröl (z. B. Hanföl oder Olivenöl), eventuell ein wenig natürlicher Geschmack.
  5. Beachte, dass es kein Ersatz für Medikamente ist. CBD kann unterstützend wirken - aber nicht statt einer Therapie.

Was könnte sich in Zukunft ändern?

Es gibt Anzeichen für Veränderung. Die EMA hat 2025 eine neue Bewertung von CBD für chronische Schmerzen und Angstzustände angekündigt. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie prüft, ob CBD bei Multipler Sklerose eine Rolle spielen könnte. In den USA haben mehrere Bundesstaaten CBD in ihre Versicherungsleistungen aufgenommen - für bestimmte Erkrankungen.

Wenn es in den nächsten drei Jahren zwei oder drei große, unabhängige Studien gibt, die CBD für eine konkrete Krankheit beweisen - dann wird sich alles ändern. Dann wird ein Arzt CBD nicht mehr ablehnen. Dann wird er es empfehlen - wie er es mit anderen Medikamenten tut.

Der Grund, warum Ärzte CBD heute nicht empfehlen, ist nicht, dass sie es für unsinnig halten. Es ist, weil sie verantwortungsvoll sind. Sie wollen nicht, dass du aufgrund von Halbwissen, schlechter Qualität oder falschen Versprechen Schaden nimmst. Sie warten auf Beweise. Und das ist nicht ihre Schwäche - das ist ihre Pflicht.

Wenn du CBD ausprobieren willst, tu es mit Augenmaß. Nicht als Wundermittel. Nicht als Rebellion gegen die Medizin. Sondern als informierte Entscheidung - mit deinem Arzt, nicht gegen ihn.

Warum sagt mein Arzt, CBD sei unwirksam?

Er sagt das nicht, weil er CBD ablehnt. Er sagt es, weil es für deine konkrete Erkrankung noch keine ausreichenden wissenschaftlichen Beweise gibt. CBD kann bei manchen Menschen helfen - aber nicht bei allen. Und ohne klare Daten kann er es nicht als Therapie empfehlen.

Kann ich CBD mit meinen Medikamenten kombinieren?

Vielleicht - aber nur, wenn du es mit deinem Arzt besprichst. CBD beeinflusst das Leberenzym CYP3A4, das viele Medikamente abbaut. Das kann zu gefährlichen Wechselwirkungen führen, besonders mit Blutverdünnern, Antiepileptika oder Cholesterinsenkern. Lass dich nicht von Online-Foren beraten. Sprich mit deinem Arzt oder Apotheker.

Ist CBD legal in Deutschland?

Ja - aber nur, wenn das Produkt weniger als 0,2 % THC enthält und nicht als Medikament oder Lebensmittel beworben wird. Es ist als Nahrungsergänzung erlaubt, aber nicht als Heilmittel. Produkte, die gesundheitliche Wirkungen versprechen, verstoßen gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch.

Warum gibt es keine zugelassenen CBD-Medikamente außer Epidiolex?

Epidiolex ist das einzige CBD-Medikament, das in Europa zugelassen ist - weil es nur eine einzige Wirkung hat: die Reduktion von Anfällen bei bestimmten Epilepsieformen. Für andere Anwendungen wie Schmerzen oder Schlafstörungen fehlen noch die großen, eindeutigen Studien. Die Zulassung ist teuer und zeitaufwendig - und die Industrie hat bislang nicht genug Investitionen getätigt.

Sollte ich CBD trotzdem ausprobieren, wenn mein Arzt es nicht empfiehlt?

Du hast das Recht, es auszuprobieren - aber du solltest es nicht ohne Informationen tun. Sprich mit deinem Arzt, wähle ein qualitativ hochwertiges Produkt mit Laborbericht, beginne mit niedrigen Dosen und beobachte deine Reaktion. CBD ist kein Risiko - aber es ist auch kein sicheres Wundermittel. Gehe mit klarem Verstand und offenen Augen daran.